Ein gemeinsames Ziel

Text: Daniela Straub

Qualifizierte Technische Redakteure sind gesucht – bei deutschen Unternehmen, aber auch international. Während hier schon fleißig für den Nachwuchs getrommelt wird, müssen sich in Europa die Maßnahmen erst etablieren. Ein Anfang ist aber bereits gemacht.

Durch die Digitalisierung und den damit verbundenen wirtschaftlichen Wandel entstehen viele neue Anforderungen. Und mit diesen Anforderungen kommt es zu neuen Berufen. Arbeitnehmern wie Arbeitgebern sind jedoch viele Berufe mit guten Job-Aussichten komplett unbekannt. Inzwischen ist die Zahl der unbekannten Berufe deutlich größer als die der bekannten: In Deutschland sind laut Bundesagentur für Arbeit 3.200 aktuelle Berufe verzeichnet, es gibt aber noch 4.800 weitere. Die meisten Absolventen wählen bei ihrer Berufswahl aber lediglich unter etwa 300 Berufsfeldern aus. So ist zum Beispiel das Berufsbild des Compliance-Managers kaum bekannt.

Nicht nur für den Compliance-Manager bestehen derzeit gute Zukunftsaussichten, da die Firmen für neue Tätigkeiten dringend Fachleute suchen. Leider wissen aber viele Berufseinsteiger nicht, dass es diese Berufe gibt, und orientieren sich daher anderweitig. Man spricht bereits davon, dass nicht der Fachkräftemangel das Problem der Unternehmen ist, sondern die Bekanntheit der Berufe und damit die Nachfrage nach Ausbildung und Jobs.

Berufsmarketing als kritischer Faktor

Seit Gründung der tekom 1978 gehört es zu den Aufgaben des Fachverbands, das Berufsbild bekannt zu machen und weiter zu professionalisieren. 1989 wurde die erste Beschreibung des Berufsbilds „Technischer Redakteur/Technische Redakteurin“ veröffentlicht, 1996 wurde der Beruf unter der Kennziffer 8214 in den Katalog der Bundesanstalt für Arbeit aufgenommen, 2003 wurden die Qualifizierungsbausteine erarbeitet und 2015 der tekom-Kompetenzrahmen veröffentlicht. Darin sind umfassend das notwendige Wissen und die Kompetenzen des Berufsbildes dargestellt. Die Webseite tekom.de informiert ausführlich über den Beruf und die Zugangswege für Quereinsteiger und Studieninteressierte. In den Qualifizierungsberatungen des Fachverbands kann ein Interessent ausführlich mit einem Experten die Berufsanforderungen erörtern. Und mit der tekom-Zertifizierung haben Quereinsteiger die Möglichkeit, ihre Qualifikation formal nachzuweisen.

Damit wird in Deutschland bereits eine Menge für die Bekanntheit des Berufsbilds „Technische/-r Redakteur/-in“ getan. Aber nach wie vor ist viel Berufsmarketing und Öffentlichkeitsarbeit zu leisten. Denn qualifizierte Arbeitskräfte für Technische Kommunikation sind gesucht und der Nachwuchs Mangelware. Laut den Branchenkennzahlen sind jährlich 3.700 Stellen zu besetzen. Bei etwa 90.000 Beschäftigten in der Branche sind dies knapp 4 Prozent. Daraus ergeben sich folgende Ziele: Studieninteressierte sollen für den Beruf mit guten Jobaussichten begeistert, Hochschulen vernetzt, Quereinsteiger qualifiziert, Weiterbildungsträger unterstützt und Unternehmen wie Arbeitsagenturen über Anforderungen und Jobprofile informiert werden. Der tekom-Beirat für Aus- und Weiterbildung, der vorrangig von ehrenamtlichen Mitarbeitern unterstützt wird, leistet hier großartige Arbeit.

Abb. 01 Beschäftigte und Arbeitskräftebedarf in der Technischen Kommunikation. (Quelle tekom)

Internationaler Bedarf

Nach den Branchenkennzahlen 2017 benötigt ein Industrieunternehmen unter allen Beschäftigten 1,3 Prozent Technische Redakteure. In der Softwarebranche sind es sogar 3,5 Prozent. Damit der Bedarf gedeckt wird, müssen Quereinsteiger qualifiziert und Hochschulabsolventen ausgebildet werden.

Aber auch außerhalb Deutschlands gehören qualifizierte Technische Redakteure zu den gesuchten Fachkräften. In vielen europäischen Ländern fehlen jedoch sowohl Angebote für eine berufliche Weiterbildung von Quereinsteigern als auch Studiengänge zur Ausbildung von Hochschulabsolventen. Während in Deutschland 19 Studienangebote in Technischer Kommunikation vorhanden sind, weisen andere europäische Länder gerade mal sieben auf. Die Situation im Weiterbildungsbereich ist vergleichbar. Aus diesem Grund hat die tcworld GmbH mit TCTrainNet ein zeit- und ortsunabhängiges Online-Training mit tekom-Zertifizierung aufgebaut.

Bereits im Jahr 2013 wurde der europäische Fachverband tekom Europe gegründet, der Verband hat derzeit zwölf Landesgesellschaften. 2017 hat tekom Europe einen eigenen internationalen Beirat für „Training and Education“ ins Leben gerufen. Seine Aufgabe: den Bekanntheitsgrad und die Professionalisierung des Berufs auf europäischer Ebene weiter voranzutreiben. Der neu berufene Beirat hat zur tekom-Jahrestagung 2017 in Stuttgart seine Arbeit aufgenommen.

Ein akademischer Standard

Zwei Jahre zuvor hat die tekom beim EU-Programm „Erasmus Plus“ einen Antrag für das Projekt „TecCOMFrame“ gestellt und dafür den Zuschlag erhalten. Das Projekt hat die Aufgabe, den Aufbau von Studienangeboten zu fördern. TecCOMFrame steht für Technical Communication / Competence Framework. Die Ziele des Projekts sind ambitioniert. Mit TecCOMFrame soll ein europäischer Standard für die akademiasche Aus- und Weiterbildung der Technischen Kommunikatoren etabliert werden. Hochschulen werden unterstützt, Studiengänge im Bereich Technische Kommunikation aufzubauen, wodurch die Anzahl an akademischen Programmen und damit auch die Zahl an Studienabsolventen erhöht werden soll. Durch bessere Vergleichbarkeit wird die Mobilität von Studenten und Mitarbeitern gefördert. Die so genannte Employ­ability, die Fähigkeit, am Arbeitsmarkt teilzunehmen, wird durch die Qualifizierung von Studierenden in fachverwandten Bereichen, wie Übersetzungswissenschaften oder Ingenieurswissenschaften, verbessert und mehr Nachwuchs für die Technischen Kommunikation ausgebildet.

Im Projekt TecCOMFrame erarbeitet die internationale Projektgruppe im ersten Schritt einen akademischen Kompetenzrahmen für die Technische Kommunikation. Die Basis dafür ist der branchenübergreifende Kompetenzrahmen der tekom für die berufliche Weiterbildung von Quereinsteigern. Darauf aufbauend wurde dieser um akademische Anforderungen erweitert und für die Lehre umstrukturiert. Der akademische Kompetenzrahmen definiert die Anforderungen an die akademische Qualifizierung von Technischen Redakteuren auf Basis des Europäischen Qualifizierungsrahmens, für die Levels akademischer Weiterbildungsprogramme, Bachelor und Master. Festgelegt wurden die Disziplinen, Subjects, Sub-Subjects, Lerninhalte und Lernziele. Der akademische Kompetenzrahmen umfasst sechs akademische Disziplinen der Technischen Kommunikation:

  • Akademische Perspektive
  • Kommunikation und Kultur
  • Content
  • Management
  • Technologie und Medien
  • Fachübergreifende Kompetenzen
  • Auf dieser Basis werden anschließend Curricula-Vorschläge für Studienangebote mit den folgenden Abschlüssen entwickelt:
  • Bachelor
  • Konsekutiver Master
  • Nicht-konsekutiver Master
  • Vertiefungen in Technischer Kommunikation für Sprach- und Übersetzungsstudiengänge
  • Vertiefungen in Technischer Kommunikation für Ingenieurswissenschaften
  • Akademische Weiterbildungsprogramme

In der Projektgruppe bringen acht Hochschullehrer von europäischen Universitäten aus Frankreich, Irland, Niederlande, Belgien, Polen, Rumänien, Dänemark und Deutschland ihr Fachwissen ein. Die Leitung und Moderation übernimmt die tekom.

Darüber hinaus hat jeder Interessierte und Stakeholder die Möglichkeit, als so genannter Silent-Partner in das Projekt einzutreten, um hohe Qualität und breite Akzeptanz der Ergebnisse sicherzustellen. Weiterhin bieten Hochschullehrertreffen, Technical Communication Days sowie das akademische Colloqium der tekom und die zahlreichen Konferenzen die Möglichkeit zum intensiven Austausch, Feedback und Networking auf internationaler Ebene.

Angebot und Nachfrage

Wie auch in anderen Bereichen gilt für die Aus- und Weiterbildung das Prinzip der Marktwirtschaft: Die Nachfrage bestimmt das Angebot. Um Studiengänge und Weiterbildungsangebote erfolgreich zu etablieren, ist Marketing nötig. Quereinsteigern und Studieninteressierten muss der Beruf des Technischen Redakteurs bekannt und attraktiv gemacht werden. Darüber hinaus müssen auch Arbeitgeber und Jobcenter über Jobprofile, Jobanforderungen und Qualifikationen Bescheid wissen.

Wie notwendig diese Information ist, illustriert ein anderes Projekt der Europäischen Kommission. Um vergleichbare Berufe und Qualifikation europaweit transparent zu machen und die Mobilität und Employ­ability von Berufstätigen zu erhöhen, werden im Projekt „ESCO“ Berufe und die dazugehörenden Kompetenzen und Qualifikationen in einer umfassenden europäischen Berufsklassifikation definiert. Auch in dieses Projekt war die tekom eingebunden, um den Beruf des Technischen Redakteurs erfolgreich zu platzieren. Da der Beruf des Technischen Redakteurs in vielen europäischen Ländern wenig bekannt und das Berufsbild nicht verbreitet ist, jedoch ein Arbeitskräftebedarf an Technischen Redakteuren besteht, ist es erfolgsentscheidend, mit dem Projekt TecCOMFrame auch international umfassend über den Beruf zu informieren.

Internationale Präsenz

Durch das Projekt TecCOMFrame wurde auch eine eigene, international ausgerichtete Berufswebseite realisiert: www.teccom-frame.eu. Die Webseite aktualisiert zudem die Ergebnisse von „tecdocnet – Professional education and training of technical communicators in Europe“. Das Projekt wurde durch das Leonardo-da-Vinci-Programm von der Europäischen Union gefördert. Mit diesem Projekt konnte die tekom 2005 erstmals die europäische Situation im Bereich Technische Kommunikation in einer Leitlinie systematisch analysieren.

Die internationale Berufsinformationsseite hat zum Ziel, Berufsinteressierten, Studieninteressierten, Arbeitgebern, Jobcentern und Hochschulen umfassende Informationen über Technische Kommunikation zu vermitteln. Sie hat die Funktion einer internationalen Berufsinformationsseite: Mit verschiedenen Reitern, die ziel- und zielgruppenorientiert aufgebaut sind, wird aktuell und umfassend über die Tätigkeit in der Technischen Kommunikation informiert und Wege in den Beruf aufgezeigt (abb. 02).

Eine alltagsnahe Beschreibung von Beruf, Aufgaben, Arbeitsbereichen und Wirtschaftszweigen ermöglicht es, sich ein genaues Bild zu machen, was Technische Redakteure tun und wo sie arbeiten. Aus den Anforderungen geht hervor, für wen der Beruf geeignet ist. Die Ergebnisse aus den Gehalts- und Arbeitsmarktstudien der tekom informieren über Karriere-, Job- und Zukunftsperspektiven. Der akademische Kompetenzrahmen wird mit seinen sechs Disziplinen detailliert beschrieben, so dass Ausbildungsinhalte und Berufsanforderungen konkret ersichtlich sind. Eine interaktive Landkarte informiert über europäische Studienangebote, zudem werden weitere Wege in den Beruf dargestellt.

Mit den Projektergebnissen, dem akademischen Kompetenzrahmen und den Standard-Curricula erhalten Hochschulen fundierte Informationen und eine gesicherte Basis, um effizient und auf hohem Niveau eigene Programme in Technischer Kommunikation aufzubauen oder an aktuelle Anforderungen anzupassen. Der Besucher kann sich über aktuelle Termine informieren und sich innerhalb der Technischen Kommunikation europaweit vernetzen. So werden auf der Webseite Events und Networkingmöglichkeiten angekündigt wie das Akademische Kolloqium für Technische Kommunikation. Ein Blog berichtet zudem über News und der Besucher kann einen Newsletter abonnieren. Auch auf die Suchmaschinenoptimierung (SEO) wurde bei der Erstellung der Webseite geachtet, so dass die Seite leicht zu finden ist.

Abb. 02 Die neue Internetpräsenz ist auf den Bedarf von Interessenten und Unternehmen aus der ganzen Welt zugeschnitten. (Quelle teccom-frame.eu)

Ein Erfolg von allen

Die Verbände tekom Deutschland und tekom Europe haben zahlreiche Initiativen für das internationale Berufsmarketing und die Öffentlichkeitsarbeit der Technischen Kommunikation gestartet. Tatkräftig unterstützt werden die ganzen Projekte von zahlreichen Experten, die ehrenamtlich tätig sind. Ohne deren Engagement wären viele Aktivitäten nicht möglich, denn ihre Erfahrung und ihr Know-how sind unverzichtbar für den Erfolg.

Wer sich aktiv einbringen möchte, findet bei der tekom gute Möglichkeiten. Zudem ist es für den Erfolg der tekom und der gesamten Branche wichtig, auch international engagierte Experten zu finden, um die Wissensbasis zu erhöhen, aber auch um die erzielten Ergebnisse zu teilen und zu streuen. Letztlich kann jeder ohne größeren Aufwand zur Bekanntheit der Initiativen beitragen, zum Beispiel durch Verlinkungen und Informationen auf der eigenen Webseite oder durch Hinweise in Vorträgen, in Publikationen oder in anderen Arbeitsgruppen.

Ein gemeinsames Ziel

Ein gemeinsames Ziel