Mit bewegten Bildern mehr bewegen

Text: Susann Krause Jaqueline Probian

Wer Arbeitsabläufe und Bedienschritte verständlich machen will, kommt am Video nicht vorbei. Kein Wunder, dass sich technische Geräte damit leicht erschließen lassen. Aber geht das auch für Software?

Inhaltsübersicht

Lesedauer: 12:17 Minuten

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte – dieser Grundsatz gilt auch für Bewegtbilder. Viele haben das erkannt, und so nehmen Videos einen immer größeren Anteil in unserer täglichen Medienwelt ein. Im März 2023 besuchten YouTube, die größte Online-Videoplattform, 33,6 Milliarden Personen. Diese sahen sich etwa nach Musikvideos, Talkformaten, Entertainment und Tutorials, auch „How-to“-Videos genannt, um. Von Krawatte binden bis hin zu Baumhaus bauen findet man für jede Frage eine praktische Antwort als „How-to“-Video. Laut Google wachsen die Suchanfragen nach diesen Videos jedes Jahr um 70 Prozent und sind somit eine gefragte Darstellungsform für komplexe Handlungen. Und Sie selbst? Haben Sie bereits Tutorials angeschaut oder danach gesucht?

Auch unter Schülern und Schülerinnen sind Videos bereits ein wichtiges Lernmedium. In einer repräsentativen Umfrage vom Rat für kulturelle Bildung von 2019 gaben 86 Prozent der befragten Schüler und Schülerinnen an, YouTube zu nutzen. Nahezu die Hälfte greift auf Videos zurück, um Inhalte aus dem Unterricht zu wiederholen oder zu vertiefen.

Aber was hat das alles mit Softwaredokumentation zu tun? Und wie lassen sich Videos in einer Anleitung für ein Softwareprodukt einsetzen?

Dieser Artikel ist aus der Bachelorarbeit von Susann Krause entstanden. In einem Kundenprojekt bei STYRZ hat sie geprüft, wie Bewegtbilder für eine Online-Hilfe sinnvoll erstellt und darin integriert werden können. Dafür hat sie sich zunächst damit auseinandergesetzt, wie wir überhaupt lernen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt darauf, wie uns bewegte Bilder am besten beim Lernen unterstützen.

Was ist die kognitive Theorie?

Zunächst muss man sich anschauen, wie wir Informationen aufnehmen und diese kurz- sowie langfristig verarbeiten. Die lerntheoretischen Vorstellungen der Psychologie prägte weitgehend der Behaviorismus Anfang des 20. Jahrhunderts. [1] Die Forschungsrichtung untersuchte ausschließlich äußere Einflüsse (Belohnung, Bestrafung) als Ursache für Verhaltensänderungen und bewertete nur direkt beobachtbare Ereignisse, um Verhaltensänderungen zu erklären. Innere Prozesse (Kognition, Emotionen und Motive) fanden in dem behavioristischen Erklärungskonzept keine Beachtung. [2] Damit war die Forschung auf die Untersuchungen zur Entstehung und Veränderung von Reiz-Reaktions-Beziehungen und das Lernen durch Konditionierung begrenzt. [1, S. 11] Mit der Feststellung, dass innere psychische Prozesse nicht gänzlich durch äußerliches Betrachten und verhaltensorientierte Forschungskonzepte zu erklären sind, kam es in den 1960er- und 1970er-Jahren in der Psychologie zur kognitiven Wende. Der Behaviorismus wurde durch einen Ansatz abgelöst, der in erster Linie die Kognition erforscht und theoretisch rekonstruiert. [3]

Die kognitiv-konstruktivistische Theorie geht davon aus, dass Lernen auf Wahrnehmungsvorgängen beruht, die durch Sinnesreize aufgenommen und durch das Individuum interpretiert werden. Das persönliche Vorwissen ist bei diesem Prozess die Voraussetzung dafür, dass potenziell relevante Informationen gefiltert und mit Bedeutung versehen werden. [4] Das bedeutet, Lernen ist ein aktiver Prozess des Lernenden, und das daraus konstruierte Wissen ist individuell, da Wahrnehmungen abhängig vom jeweiligen Vorwissen selektiert und interpretiert werden.

Für unseren Artikel besonders relevant ist die Weiterentwicklung dieser Theorie durch Richard E. Mayer. Dessen kognitive Theorie des multimedialen Lernens („Cognitive theory of multimedia learning“, kurz „CTML“) beruht auf Annahmen aus zwei kognitiven Forschungsergebnissen. Zum einen die Annahme, dass unser Gedächtnis visuell/bildliche und auditive/verbale Reize getrennt voneinander verarbeitet, wobei die Verarbeitung durch die eingeschränkte Kapazität im Arbeitsgedächtnis begrenzt ist. Zum anderen die Annahme, dass Lernen durch Auswahl, Organisation und Integration ein aktiver kognitiver Prozess ist. Nach der Theorie des multimedialen Lernens findet die Integration am ehesten statt, wenn Lernmaterial in bildlicher und verbaler Form gleichzeitig vorliegt, da dadurch die begrenzte Kapazität des Arbeitsgedächtnisses effektiv ausgeschöpft wird. [5]

Abbildung 01 zeigt, dass Informationen im ersten Schritt über zwei unterschiedliche Sinneskanäle aufgenommen und selektiert werden. Im Arbeitsgedächtnis werden die Informationen im gegenseitigen Abgleich organisiert und anschließend im Langzeitgedächtnis gemeinsam integriert.

Schaubild zur kognitiven Theorie des multimedialen Lernens.
Abb. 01 Kognitive Theorie des multimedialen Lernens. Quelle Richard E. Mayer und Roxana Moren

Was ist der Benefit?

Aus der kognitiven Theorie des multimedialen Lernens können wir lernen, dass wir das bestmögliche Lernerlebnis mit dem Reiz zweier Sinne erschaffen können. Da ist das Video mit seinem Mix aus Audio und Visualität einfach perfekt.

Lernen heißt, neue Informationen im Langzeitgedächtnis zu integrieren. Dazu müssen neue Informationen das Kurzzeitgedächtnis (der Arbeitsspeicher) durchlaufen. Dabei ist zu beachten, dass der Arbeitsspeicher in seiner Kapazität begrenzt ist und bei der Verarbeitung auf zwei Kanäle zurückgreift: einen visuellen/bildlichen und einen auditiven/verbalen Kanal. Folglich wird die begrenzte Kapazität des Arbeitsgedächtnisses effektiv genutzt, wenn Lernmaterial so gestaltet ist, dass visuell-räumliche und verbale-akustische Reize gleichzeitig angesprochen werden, weil diese in unterschiedlichen Speichern verarbeitet werden. Komplexe und wenig routinierte Aufgaben erfordern im Arbeitsgedächtnis die Ressourcen der zentralen Exekutive, die übergeordnete Speicherkomponenten koordiniert und die Schnittstelle zum Langzeitgedächtnis bildet. Mit Videos können wir den Nutzern und Nutzerinnen das Lernmaterial so aufbereiten, wie sie es brauchen. Wir können verarbeitungsgerechte Informationen über verschiedene Kanäle an das Gehirn unserer Nutzer und Nutzerinnen schicken.

Berücksichtigen wir zudem die Informationen aus dem Eingangstext: Menschen nutzen Videos in ihrem Alltag. Es ist ein Medium, mit dem sie sich wohlfühlen und für das schon eine Art natürliche Motivation vorhanden ist. Bringen wir also die Motivation in den Kontext von Instruktionsvideos.

Warum in der Softwaredokumentation?

Eine Umfrage zur Videonutzung im Arbeitskontext kommt zu ähnlichen Ergebnissen wie die Werte vom Anfang: Von 914 Personen wählen 83 Prozent bevorzugt das Video für informative oder instruktionelle Inhalte. [6] Für die Umfrage wurden Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus sechs verschiedenen Ländern und aus über 20 Berufsfeldern befragt.

Videos gehören damit zu den wirkungsvollsten Kommunikationstools, die Unternehmen zur Verfügung stehen. Um also nicht nur beim Produkt, sondern auch im After Sales zu punkten, sollten Unternehmen Technische Dokumentation in einem Format liefern, das ihre Zielgruppen am liebsten nutzen: als Video.

Für die Softwaredokumentation bieten sich Videos besonders an, da hier meistens Screencasts zum Einsatz kommen. Diese sind vergleichsweise einfach und kostengünstig zu erstellen. Außerdem brauchen die Anwendenden kein zusätzliches Gerät, um Informationen abzurufen, da sie schon mit dem Präsentationsmedium arbeiten. Es lassen sich also Informationen im direkten Nutzungskontext des Produkts einbinden. Das ist bequem für die Nutzenden und genau das, was wir mit einer nutzungszentrierten Denkweise wollen. Für die Technische Redaktion entstehen folgende Vorteile, wenn sie Videos in die Softwaredokumentation einbettet:

  • Komplexe Abläufe können nachvollziehbar und einfach verständlich dargestellt werden.
  • Räumliche und zeitliche Angaben können eindeutig vermittelt werden.
  • Abfolgen lassen sich 1:1 darstellen.
  • Die genaue Darstellung einer Abfolge ist durch ein Video weniger anfällig für Missverständnisse.
  • Die Aufmerksamkeit des Anwendenden lässt sich mit einfachen Mitteln lenken.

Auch aus wirtschaftlicher Sicht sind Videos der eigenen Software sinnvoll. Schließlich lassen sie sich auch außerhalb der Technischen Redaktion einsetzen – einmal erstellen, mehrfach nutzen. Beispielsweise bietet es sich an, Screencasts auf der Internetseite einzubinden. So wissen Interessenten und Interessentinnen direkt, dass sie gut durchs Produkt geführt werden – was letztlich auch ein Kaufargument ist. Auch für die Anwendenden hat ein Video in der Softwaredokumentation seine Vorteile, denn

  • Videos sparen Zeit: Lösungen werden schnell und auf den Punkt präsentiert.
  • Videos sind überschaubar: Die An­wendenden können den kompletten Inhalt auf einem Bildschirm über­blicken und müssen nicht hoch- und runterscrollen.
  • Softwarebedingte Wartezeiten und Hinweise werden realitätsnah vermittelt.
  • Die Anwendenden können das Video individuell auf ihre Lernbedürfnisse einstellen (zum Beispiel Abspiel­geschwindigkeit, Untertitel).
  • Vertonte Videos sprechen die auditiven und visuellen Sinne an, was zur besseren Informationsverarbeitung und -speicherung führt.
  • Psychologisch gesehen fällt das Instruktionsvideo unter das Beobachtungslernen. Diese Art des Lernens kennen wir von klein auf, müssen es nicht erproben oder erlernen.

Und bestehen auch Nachteile? Schaut man sich die Theorie der kognitiven Belastung an, dann ja. Die Theorie geht von der Annahme aus, dass die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses beschränkt ist und der Lernerfolg von der kognitiven Belastung beeinflusst wird. Die Theorie beschreibt verschiedene Formen kognitiver Belastung, die sich zu einer Gesamtbelastung summieren und bei einer Überschreitung der Kapazität des Arbeitsgedächtnisses dazu führen, dass Lernen weniger effektiv ist.

Die Theorie unterscheidet drei Arten kognitiver Belastung:

  • Inhaltsbedingte Belastung
  • Sachfremde Belastung
  • Lernrelevante Belastung

Relevant für das Thema Video ist dabei die sachfremde Belastung. Diese bezieht sich auf Ursachen, die durch die Gestaltung des Lernmaterials und der Lernumgebung entstehen. Irrelevante Designelemente oder Informationen, die getrennt voneinander präsentiert werden, obwohl sie zusammengehören, belegen kognitive Kapazitäten, die dem Prozess des Lernens nicht zur Verfügung stehen. Relevante Inhalte sind für den Lernenden nicht sofort offensichtlich und müssen erst durch kognitive Anstrengung aus dem Lernmaterial gefiltert werden. Ebenso spielt die persönliche Einstellung zum Lernmedium und -inhalt eine erhebliche Rolle.

Neben diesen lernpsychologischen Aspekten kann auch der Aufwand ein Nachteil von Videos sein. Besonders die Platzierung und Vertonung von Textelementen ist im mehrsprachigen Kontext eine Herausforderung. Untertitel machen die Welt etwas einfacher – denkt man zumindest. Vertonungen müssen unbedingt professionell gemacht werden und kosten somit Zeit und Geld. Doch deswegen auf Untertitel setzen? Kognitiv betrachtet ist das eine schlechte Wahl. Untertitel sind für Lernvideos keine Optionen wegen des Split-Attention-Effekts, der eben zu dieser kognitiven Überbelastung führen kann. Für die Technische Redaktion gibt es allerdings Lösungen, etwa die Layer-Technologie. Dabei wird das Video von Text, Interaktion und Ton getrennt.

Und die Praxis?

Zur Vorbereitung der Gestaltung spielen Zielgruppe und Lernumgebung eine bedeutsame Rolle. Je nachdem, in welcher Umgebung das Video eingesetzt wird und für welche Zielgruppe es konzipiert ist, müssen unterschiedliche Anforderungen erfüllt werden. Eine angemessene Gestaltung berücksichtigt daher nicht nur den Lerninhalt selbst, sondern auch die spezifischen Rahmenbedingungen, in denen das Lernen stattfindet, und die Voraussetzungen der Lernenden. Man muss sich somit dieselben Fragen wie bei jedem Informationsprodukt stellen: Wer ist meine Zielgruppe? Welche Bedürfnisse, aber auch Schwierigkeiten hat sie? In welcher Situation schaut sie sich das Video an und in welcher emotionalen Verfassung ist sie in diesem Moment?

In diesem Zusammenhang gilt es, den Expertise-Umkehr-Effekt zu beachten, um den Lernprozess nicht zu beeinträchtigen. Für eine Zielgruppe mit umfassenden Vorkenntnissen hat eine sehr ausführliche Informationsdarstellung schnell eine redundante Wirkung. Eine Zielgruppe mit geringem Vorwissen benötigt hingegen eine detaillierte, schrittweise Vermittlung von Grundlagen, um Verständnis für die Lerninhalte aufzubauen. Unabhängig vom Vorwissen der Lernenden gilt: Der Inhalt muss aktuell, verständlich aufbereitet und leicht zu verfolgen sein.

Zudem ist die Platzierung eines Videos abhängig von der Gestaltung der Lernumgebung und der späteren Einbindung. Ist das Video Teil einer redundanten Textbeschreibung, muss es für den Anwendenden klar ersichtlich sein, dass es sich um eine alternative Informationsdarstellung handelt, und es muss möglichst getrennt von der Textbeschreibung platziert werden. Hat das Video eine ergänzende Funktion und ist zum Verständnis der Textbeschreibung notwendig, muss es so nah wie möglich am Text platziert werden, um den Lernerfolg nicht durch eine geteilte Aufmerksamkeit der Anwender und Anwenderinnen zu beeinträchtigen.

Anders als bei einer gedruckten, kapitelreichen Dokumentation können wir mit Videos einen segmentierten, chronologischen Zugriff auf Wissen geben. Es ist eher unwahrscheinlich, dass ein Nutzer oder eine Nutzerin zuerst das Ende eines Videos und dann wieder den Anfang anschaut. Mit Videos haben wir also mehr Kontrolle, da Nutzende eben nicht wahllos durch die Seiten hin und her blättern können.

Den Entschluss, Videos in Ihrer Softwaredokumentation einzubinden, haben Sie gefasst – jetzt geht es an die praktische Umsetzung. Dazu einige Gestaltungstipps.

Gestaltungstipp 1 – Struktur

Führen Sie mit einer klaren Struktur und Gliederung: Natürlich spielt bei der Erstellung von Videos, wie auch schon bei der Texterstellung, die Zielgruppe und der Nutzungskontext eine wichtige Rolle. Danach richtet sich etwa, wie umfangreich der Inhalt Ihres Videos ist und welche Startperspektive Sie wählen sollten.

Ist der Inhalt festgelegt, muss ein eindeutiger Titel gefunden werden. Der Titel ist später ausschlaggebend dafür, dass Ihre Anwendenden auch den passenden Inhalt finden und bei der Problemlösung nicht frustriert zurückbleiben. Nur wenn der Titel aussagekräftig und lösungsorientiert gewählt ist, kann Ihr Video eine schnelle und einfache Lösung für die Zielgruppe sein.

Beispiel – Titel benennen: Die Änderungsverfolgung in Microsoft Word ist eine oft genutzte Funktion, wenn mehrere Menschen an einem Dokument arbeiten. Wird diese Funktion aktiviert, werden alle Änderungen, die jemals vorgenommen wurden, in unterschiedlichen Farben angezeigt. Diese Anzeige ist sehr unübersichtlich und überfrachtend. Was viele nicht wissen: Unter den „Markupoptionen“ lässt sich einstellen, welche Änderungen angezeigt werden sollen. Der Begriff „Markup“ würde den meisten aber gar nicht in den Sinn kommen, um nach ihrem Problem zu suchen. Für den Anwender bzw. die Anwenderin muss in diesem Fall der Titel unabhängig von der Anwendungsbezeichnung formuliert werden, um gefunden zu werden, etwa wie in Abbildung 02 und Abbildung 03.

Abbildung 02 und Abbildung 03 stellen eine Form der praktikablen Strukturierung dar. Es werden die verschiedenen Zwischenergebnisse im Video gezeigt. Die Texteinblendung ist klar von der Oberfläche abgegrenzt und unterscheidbar von der eigentlichen Softwareoberfläche. Das fordert die ISO IEC IEEE 26514:2022-01 auf Seite 58.

In Bezug auf den Split-Attention-Effekt muss abhängig von der Informationsart (etwa Tipp, Hinweis oder Warnung) und dem Einsatzkontext entschieden werden, ob die Texteinblendung parallel zur Handlung oder als weichgezeichnetes Standbild angezeigt wird. Die Anzeigedauer richtet sich nach der Länge des eingeblendeten Textes. Als Grundlage für die Berechnung der Standzeit gilt die Annahme einer Lesegeschwindigkeit von 13–15 Zeichen/Sekunde.

Für die Strukturierung des Videos gibt es einige Methoden, die den Mitteln der Textstrukturierung ähneln. In der geschriebenen Schrittfolge geben wir den Anwendern und Anwenderinnen mit Zwischenergebnissen oder zusätzlichen Überschriften Orientierung. Im Video können wir den Gesamtvorgang ebenso in Etappen gliedern und Zwischenziele entweder parallel zur visuellen Handlung einblenden oder das Video in Kapitel einteilen, die schon vor dem Start des Videos auf dem Fortschrittsbalken zu sehen sind. Ihre Zielgruppe kann den Inhalt damit gut überblicken und sich gezielt im Video bewegen.

Zwei Screenshots einer Textverarbeitung original und verbessert.
Abb. 02/Abb. 03 Im Zweifelsfall gilt es, einen neuen Titel zu suchen, der eindeutiger zu verstehen ist. Quelle Susann Krause, Jaqueline Probian; Microsoft

Gestaltungstipp 2 – Aufmerksamkeit

Zur Steuerung der Aufmerksamkeit sollten Elemente bedacht zum Einsatz kommen und überladene Darstellungen und Effekte vermieden werden. Der Fokus muss auf den Aktionen der Maus liegen, und das gelingt etwa durch die Vergrößerung der Mausanzeige vor der Aufzeichnung. Ein Klick sollte farblich hervorgehoben werden, und es muss klar sein, ob es sich um einen Links-, Rechts- oder Doppelklick handelt.

Eine weitere visuelle Hilfestellung bieten SUI-Grafiken. Eine SUI-Grafik ist eine Darstellung der Benutzeroberfläche, die sich auf das Wesentliche konzentriert, indem unwichtige Elemente entfernt werden (vgl. ISO IEC IEEE 26514:2022-01). Die Darstellung ermöglicht eine einfache und übersichtliche Gestaltung und bietet dem Anwendenden eine Hilfestellung bei der Orientierung. Der Einsatz von SUI-Grafiken verhindert eine kognitive Überlastung durch zu viele Information und sorgt dafür, dass eine Person nicht von den wesentlichen Funktionen und wichtigen Details abgelenkt wird. Zudem haben SUI-Grafiken den Vorteil, dass man sie bei kleineren Änderungen der Benutzungsoberfläche nicht für alle Videos anpassen musst. Abbildung 04 zeigt eine vereinfachte Darstellung der Benutzeroberfläche in Abbildung 05.

Screenshot einer Textverarbeitung mit vereinfachten Elementen und damit besserer Übersicht.
Abb. 04 Die SUI-Grafik vereinfacht die Darstellung der Oberfläche. Quelle Susann Krause, Jaqueline Probian; Microsoft.

Unwesentliche Informationen wurden mit farbigen Balken überlagert, und der Gesamtüberblick der Benutzeroberfläche bleibt erhalten. Das gewährleistet Orientierung in der Anwendung und lenkt die Aufmerksamkeit auf die wesentlichen Inhalte.

Screenshot der unbearbeiteten Softwareoberfläche einer Textverarbeitung.
Abb. 05 Die Oberfläche, die in ihrer ursprünglichen Form deutlich mehr ablenkt. Quelle Susann Krause, Jaqueline Probian; Microsoft

Gestaltungstipp 3 – nicht überlasten

Videos können die kognitiven Fähigkeiten überlasten. Die Folge: Wenig oder irrelevante Inhalte schaffen es ins Langzeitgedächtnis Ihrer Anwender und Anwenderinnen. Um dem vorzubeugen, sollten Instruktionsvideos so kurz wie möglich und so lang wie nötig sein. Und wie bereits erwähnt: frei von ablenkenden Designelementen. Außerdem wirkt sich die Kombination von Bild, Ton und Text negativ auf die Informationsaufnahme aus. Ein vertontes Video sollte nicht von durchgängigen Untertiteln begleitet sein. Minimale Einblendungen für Zwischenziele oder Hinweise sind hingegen in Ordnung. Auch ist es ratsam, weiterführende Informationen zum Ende des Videos einzublenden, um die Konzentration nicht vom Thema wegzuführen.

Beweglich werden

Videos sind in vielen Lebenslagen ein beliebtes und viel genutztes Lernmedium. In der Softwaredokumentation können Videos zielgenau eingesetzt werden, um komplexe Handlungsschritte nachvollziehbar darzustellen. Gut konzipiert, profitieren Anwendende, aber auch wir als Erstellende von Videoanleitungen. Clever geplant, lassen sie sich zudem in anderen Unternehmensbereichen profitabel einsetzen. Einige Unternehmen setzen bereits auf Videos in der Technischen Dokumentation, andere schieben das Thema noch vor sich her. Wie sieht es bei Ihnen aus? Wann kommt Ihre Softwaredokumenation in Bewegung?

Literatur

  • [1] Hoffmann, J./Engelkamp, J. (2017): Lern- und Gedächtnispsychologie. Berlin Heidelberg: Springer.[2] Hannover, B./Zander, L./ Wolter, I. (2014): Entwicklung, Sozialisation und Lernen. In: Krapp, A./Seidel, T.: Pädagogische Psychologie (S. 139–166). Basel: Beltz.
  • [3] Krapp, A. (2014): Geschichte der Pädagogischen Psychologie. In: Krapp, A./Seidel, T.: Pädagogische Psychologie (S. 19–54). Basel: Beltz.
  • [4] Nückles, M./Wittwer, J. (2014): Lernen und Wissenserwerb. In: Krapp, A./Seidel, T.: Pädagogische Psychologie (S. 225–252). Basel: Beltz.
  • [5] Mayer, R. E. (2009): Multimedia learning. Cambridge: Cambridge University Press.
  • [6] TechSmith Corporation (2021): Studie zur Videonutzung 2021. Woodlake Drive: Qualtrics.

Außerdem

  • Rat für kulturelle Bildung (2019): JUGEND/YOUTUBE/KULTURELLE BILDUNG. Taunusstein: IFAK Institut GmbH & Co. KG.Softwaredokumentation in Bewegung?
Hände auf einer Laptoptastatur und virtuellem Bildschirm.