Ein Klassiker wird modern

Text: Markus Nickl

Wer den Zugang zu den Inhalten einer Technischen Dokumentation vereinfachen will, der stattet sie mit einem Glossar aus. Ganz neue Möglichkeiten entstehen, wird das Glossar digitalisiert.

Inhaltsübersicht

Lesedauer: 03:03 Minuten

Vor einigen Jahren wurden Glossare in der Technischen Dokumentation ausgiebig diskutiert. Mittlerweile ist es ruhig geworden um dieses Inhaltselement. Heißt das, dass Glossare in modernen Anleitungen keinen Platz mehr haben? Sind sie im redaktionellen Alltag zu aufwändig zu pflegen? Oder haben sie heute nur eine andere Gestaltungsform? Es ist Zeit, sich dieses interessante sprachdidaktische Mittel genauer anzusehen und auf seine Brauchbarkeit hin zu prüfen.

Was ist ein Glossar?

Ein Glossar ist eine Sammlung von Worterklärungen. Glossare können eigenständige Dokumente sein oder auch ein Textteil innerhalb eines Dokuments. Außerdem gibt es noch andere mediale Zugangs- und Darstellungsformen für Glossare – dazu später mehr.

Weil Glossare im Wesentlichen Worterklärungen sind, ähneln sie zwei anderen Textteilen, die in Anleitungen vorkommen. Zum einen organisiert auch ein Wortindex den Zugang zu Wörtern. Allerdings wird hier nur ein Verweis auf die einzelnen Stellen gegeben, an denen das Wort im Dokument vorkommt. Natürlich kann unter den verwiesenen Stellen auch eine sein, an der sich eine Erklärung findet. Oft wird diese Stelle typographisch hervorgehoben (zum Beispiel durch Fettdruck). Aber grundsätzlich ist das Ziel eines Indexes, den Zugang zu erleichtern und nicht die Inhalte zu erklären.

Zum anderen gibt es in einigen Anleitungen Textstellen, die Definitionen der verwendeten Begriffe sammeln. Der Unterschied zu einem Glossar liegt in diesem Fall darin, dass Glossare bei der Erklärung der verwendeten Begriffe deutlich flexibler sein können als Definitionssammlungen. Sie können zum Beispiel auch Abbildungen verwenden oder nur anhand eines Beispiels erklären. Im Prinzip ist eine Definitionssammlung also eine spezialisierte Form des Glossars. Allerdings kommt es bei Definitionen auf die präzise Abgrenzung von Begriffen an, während das Ziel eines Glossars didaktischer Art ist. Es will Wissen zu den verschiedenen Begriffen vermitteln. Die beiden Ziele überlappen sich also, sind aber nicht identisch.

Wie umsetzen?

Die klassische Form des Glossars ist sicher das gedruckte, lineare Dokument. So werden Glossare schon seit Jahrhunderten geschrieben (und befinden sich damit in einem Kontinuum zu den Wörterbüchern). Natürlich hat diese Darstellungsform weiterhin ihre Berechtigung. Allerdings gehen viele Technische Redaktionen mit solchen Glossaren eher zurückhaltend um. Denn gedruckte Glossare benötigen Platz und damit Papier und erhöhen die Produktionskosten. Außerdem verursachen sie Übersetzungsaufwand.

Die Kostensituation sieht allerdings anders aus, wenn Glossare digital bereitgestellt werden. Schon für ein lineares Glossar in einem PDF ist der Platzbedarf nur noch ein nachrangiges Problem. Kommen die Glossareinträge als modularer Content aus einem Redaktionssystem oder werden sie aus dem Terminologiemanagement übernommen, dann sinkt zudem der Übersetzungsaufwand. Schließlich können die Erklärungen an verschiedenen Stellen und in vielen Anleitungen verwendet werden.

Ein großer Vorteil von digitalen Glossaren ist aber ihre höhere Zugänglichkeit. So kann ein Glossar zum Beispiel online in einer Datenbank bereitgestellt werden. Dadurch können sehr viele Begriffe bequem gesucht werden. Oder die Begriffserklärungen werden automatisch bei den einzelnen Vorkommen der Begriffe als Tooltip hinterlegt. Dadurch hat der Nutzer oder die Nutzerin die Erklärung an der Stelle parat, an der man sie braucht, und muss nicht lange suchen. Umgekehrt wird eine erfahrenere Zielgruppe nicht durch unnötige Erklärungen im Lesefluss behindert.

Wozu lassen sich Glossare nutzen?

Glossare sind didaktische Texte oder Textteile. Dadurch eignen sie sich besonders für Personen, die ungeübt sind oder wenig Erfahrung haben. Ihnen können Glossare den Zugang zu einem Thema erleichtern, Begriffsschwierigkeiten klären und einen generellen Eindruck von einem Themengebiet geben, das in der Anleitung behandelt werden soll.

Aber auch für erfahrene Zielgruppen haben Glossare ihre Berechtigung. Hier liegt der Fokus mehr darauf, an zentraler Stelle deutlich zu machen, wie in der vorliegenden Dokumentation bestimmte Fachbegriffe verstanden werden und auf welche Grundlagen (zum Beispiel wissenschaftliche Ergebnisse, Normen) sich der Text bezieht. Es geht also darum, eine gemeinsame Sicht auf den Gegenstand herzustellen und die verschiedenen möglichen Sichtweisen zu konkretisieren.

Eine interessante Rolle können Glossare in der unternehmensinternen Kommunikation spielen. Denn ein Glossar kann ein hervorragendes Fortbildungsangebot sein, mit dem sich Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit der Unternehmensterminologie vertraut machen können. Es bietet einen niederschwelligeren Zugang als zum Beispiel Excel-Listen oder Termdatenbanken, die im Prinzip dieselben Informationen umfassen.

Glossare verursachen also Aufwand, vorrangig in gedruckter Form, und lassen sich nicht immer gut in eine Technische Dokumentation integrieren. Dennoch tun Technische Redaktionen gut daran, diese Textteile in ihrer Content-Strategie zu berücksichtigen. Vorausgesetzt, sie haben eine moderne Sichtweise darauf.

Bücher und Laptop sowie eine Hand auf der Tastatur.