Sag's doch gleich

Text: Matthias Weiss

Dass man dieselbe Sprache sprechen und sich doch missverstehen kann, ist uns allen hinlänglich bekannt. Doch in welchen Worten und zwischen welchen Zeilen steckt besonders viel negatives Potenzial? Einige Beispiele finden Sie hier, verbunden mit Tipps, wie Kommunikation gelingen kann.

Inhaltsübersicht

Lesedauer: 12:03 Minuten

Wir alle kennen ganz offensichtliche „Killer­phrasen“ wie zum Beispiel „Das haben wir immer so gemacht.“ oder „Das bringt ja ohnehin nichts.“ Allerdings gibt es auch reichlich Redewendungen, die vermeintlich harmlos klingen und doch kommunikatives Unheil anrichten, ohne dass man sich dessen gleich bewusst wäre. Schauen wir uns im Folgenden einige solcher sprachlichen Wölfe im Schafspelz genauer an.

Ein Hinweis noch, ehe wir loslegen: In einem Beitrag dieses Umfangs lässt sich natürlich nur eine sehr bescheidene Auswahl an provokanten Vokabeln und Sabotagesätzen zeigen. Mühelos könnte man bestimmt einen Wälzer beträchtlichen Umfangs mit derartigen Redewendungen füllen. Aber Sie würden das vermutlich nicht lesen wollen – und ich es nicht schreiben. Die gute Nachricht ist derweil, dass man viele ungute Formulierungen auf ein paar wenige zugrunde liegende Muster zurückführen kann, so dass es gar nicht zwingend notwendig ist, das komplette Sortiment zu kennen, sondern eher eine gewisse Sensibilität für bestimmte Schemata zu entwickeln.

Wir sind alle gleichermaßen anders

Ferner vorangestellt sei die ebenso banale wie fundamentale Beobachtung, dass die Menschen verschieden sind. Und gemeint sind damit nicht nur Altersgruppen, Geschlechter oder Kulturkreise, sondern jeder Mensch, Sie und mich eingeschlossen. Jeder Mensch ist anders. Und da wir spätestens seit dem großartigen Paul Watzlawick wissen „Man kann nicht nicht kommunizieren“, stehen wir Tag für Tag unausweichlich vor der Herausforderung, uns anderen Menschen gegenüber verständlich machen zu wollen, oft sogar zu müssen.

Auch und gerade im Arbeitsleben ist es von grundlegender Bedeutung, sich möglicher Fallstricke im Umgang miteinander bewusst zu sein und Möglichkeiten zu kennen, sie zu umgehen. Da werden Menschen mit unterschiedlichstem Hintergrund, Prägungen und Charakteren in Büros, Teams und Abteilungen gleichsam „zusammengewürfelt“ und haben tagtäglich etliche Stunden gemeinsam zu verbringen. Kein Wunder also, dass gerade dort mit einer positiven, konstruktiven Kommunikation nicht bloß das Gelingen von Mittagspause und Weihnachtsfeier steht und fällt, sondern nicht weniger als das Wohlergehen jeder einzelnen Person und des Unternehmens als Ganzes.

Jedwedem kommunikativen Unheil gänzlich aus dem Weg gehen kann ja nur, wer vom Schicksal auf eine einsame Insel geschwemmt wird oder Haus und Hof zugunsten eines Lebens im Kloster einschließlich Schweigegelübde hinter sich lässt. Beides hat mutmaßlich mehr Nach- als Vorteile und kommt folglich nicht wirklich in Frage. Und selbst unter lauter Schweigern wird ja munter weiter kommuniziert, mit Mimik und Gestik – ergo ist die Flucht ins stumme Mönchsdasein ohnehin keine Option. Bleiben wir also im ganz normalen Leben und beleuchten wir, wo und warum im Alltag durch bestimmte, teils harmlos anmutende Redewendungen kommunikatives Ungemach droht.

Historisch betrachtet

Befragt man Wikipedia nach der Herkunft des Wortes „Kommunikation“, so erfährt man, dass das Wort aus dem Lateinischen stammt und das Verb „communicare“ dort einstmals so viel bedeutete wie „teilen“, „teilnehmen lassen“, „gemeinsam machen“. Watzlawick, wie auch unsere eigene Lebenserfahrung, lehren uns, dass permanent Kommunikation stattfindet, und mit Blick auf die lateinische Wortherkunft bedeutet das, dass ich ununterbrochen teile und mich fortgesetzt in einer Art Gemeinsamkeit befinde (Ausnahmen: Schlaf, Kloster oder einsame Insel, s.o.). So betrachtet, kann man die Bedeutung einer gelungenen Kommunikation wohl gar nicht hoch genug einschätzen.

Der richtige Ton öffnet Türen

Oftmals äußert der Sender eine Botschaft, die den Gesprächspartner irritiert, vor den Kopf stößt oder gar verletzt, vollkommen unbedacht und ohne auch nur zu ahnen, dass seine Worte ungut aufgefasst werden können. Umgekehrt bedeutet das für den Empfänger der Botschaft, dass womöglich nur ein Bruchteil der Angriffe oder Herabsetzungen, die man verbal zu erleiden glaubt, tatsächlich als solche gemeint waren. Zusammenfassend lässt sich folgern, dass ich mich beim Kommunizieren niemals auf mich selbst und meine Perspektive beschränken darf – im Gegenteil: wie gerade anhand der lateinischen Wortherkunft gelernt, mache ich dabei immer etwas gemeinsam.

Es ist also nicht damit getan, dass ich einfach meine Gedanken möglichst vollständig zum Ausdruck bringe. Mindestens genauso bedeutend ist es, auch zu berücksichtigen, wie das von mir Gesendete beim Empfänger ankommt. Das liegt sogar in meinem ureigensten Interesse, denn eine Art der Kommunikation, die meinem Gegenüber (und mir) ein gutes Gefühl gibt, bereitet meiner Botschaft auf bestmögliche Weise den Weg. Ich trage also Verantwortung sowohl für das, was ich sage, als auch dafür, wie bereit mein Gegenüber ist, es anzunehmen. Um hier bestmöglich zu agieren, schauen wir uns nun ein paar Formulierungen an, die unserem Gesprächspartner zuverlässig binnen Sekunden jegliche Lust am Kommunizieren nehmen können. Und lernen wir daraus, wie es besser geht.

„Ja, und vor allem.“ Macht man sich die wortwörtliche Bedeutung dieser Wendung klar, bedarf es wohl keiner Erklärung – hier geschieht nicht weniger als einer der Kardinalfehler in der zwischenmenschlichen Kommunikation: Das gerade erst vom Gegenüber Gesagte wird umgehend zurückgestuft und auch gleich noch mit einem eigenen Beitrag übertrumpft. So offensichtlich diese kommunikative Klatsche ist, so wenig ist man sich ihrer im Alltag oft bewusst. Beiläufig dahergesagt, geht sie nur allzu gern unter. Machen wir uns allerdings diese Aussage wörtlich klar, so ist es offensichtlich, dass man sich hier unbotmäßig in den Vordergrund drängt. Dabei hat weder das Gegenüber solches verdient, noch sollte man selbst derlei verbale Ellbogen-Allüren nötig haben.

  • Was Sie sagen, wenn Sie das sagen: „Schön und gut. Aber meine Sicht der Dinge ist wichtiger.“
  • Alternativvorschlag: „Ja, genau. Und meiner Meinung nach …“

„Das kann nicht sein.“ Nicht weniger als die verbale Betonmauer: Man stellt sich dem Gegenüber förmlich mitten in den Weg und erklärt geradeheraus für unmöglich, was er oder sie eben gesagt hat. Für alle, die ein Gespräch in Sekundenbruchteilen abwürgen und die Stimmung so richtig in Grund und Boden stampfen wollen, ist das genau die richtige Redewendung. Alle anderen seien darauf hingewiesen, was diesem kurzen, aber heftigen Satz an Aussage innewohnt, nämlich nicht weniger als „Was du sagst, ist Quatsch.“

Kleine Anekdote zur Verdeutlichung: Neulich an der Autobahn wollte der Kaffeeautomat mehrere meiner Geldscheine nicht annehmen und spuckte sie umgehend wieder aus. Auf meinen Hinweis, dass der Auto­mat meine Scheine nicht akzeptiere, erwiderte der Herr an der Kasse „Das kann nicht sein.“ Ich war perplex, schließlich hatte ich es ja wenige Augenblicke zuvor mit meinen eigenen Augen gesehen. Kurz suchte ich nach einer angemessenen Antwort, schwankend zwischen einem beherzten „Doch.“ und einem ehrerbietigen „Nun ja, dann liegt es vermutlich daran, dass mein IQ wesentlich niedriger ist als die Oktanzahl Ihres billigsten Sprits. Wie ich den Führerschein jemals geschafft habe, ist mir selbst bis heute ein Rätsel. Aber jetzt beim Kaffeeziehen an Ihrem Automaten, da stoß ich dann halt doch an meine Grenzen.“ Ich musste mich schließlich zwischen keiner dieser beiden möglichen Antworten entscheiden, weil sich der Kassierer sogleich selbst auf den Weg gemacht hatte, um mir zu zeigen, dass das nicht sein kann. Ergebnis: Es konnte doch. Ich: „Sehen Sie?“ Er: „Aber das kann eigentlich nicht sein.“ Ich (in Gedanken): „Fängst du schon wieder an?“

Kurzum: Lassen Sie’s! Sie sind genau nie in der Position, Ihrem Gegenüber, auf welche Aussage auch immer, ein „Das kann nicht sein!“ entgegenzuhalten. Ihr Gesprächspartner schildert Ihnen sein Erleben, seine Wahrheit, und mag Ihnen das auch noch so undenkbar erscheinen, steht es Ihnen doch nicht zu, ihn oder sie damit derart gegen die Wand fahren zu lassen.

  • Was Sie sagen, wenn Sie das sagen: „Du erzählst Unsinn.“
  • Alternativvorschlag: „Das kann ich mir kaum vorstellen. Erklär mir das bitte etwas näher.“

„Bist du dir sicher?“ Eine Stufe weicher, sagen wir mal eine Bretterwand im Vergleich zur obigen Betonmauer, aber doch ähnlich ungut in ihrer Botschaft, ist diese Nachfrage. Ganz gleich, wie skeptisch ich sein mag oder wie wenig plausibel mir das Gesagte erscheint – ich kann/darf/muss ja davon ausgehen, dass mein Gesprächspartner sich vorab hinreichend Gedanken gemacht haben wird. Warum dann also mit einem kurzen Satz das alles in Zweifel ziehen? Es mag ja sein, dass ich gänzlich andere, womöglich gar gegensätzliche, Ansichten oder Erfahrungen habe – aber dann sollte ich trotzdem allemal in Betracht ziehen, dass ich deswegen noch immer nicht das ganze Bild zu einem Thema kenne. Und aus dieser Position heraus sollte ich eher um eine nähere Erklärung bitten, als meinem Gesprächspartner zu unterstellen, nicht gründlich genug nachgedacht zu haben.

  • Was Sie sagen, wenn Sie das sagen: „Da hast du wohl nicht richtig drüber nachgedacht.“
  • Alternativvorschlag: „Kannst du mir das bitte noch etwas genauer erklären?“

„Brauchst gar nicht weiter zu reden.“ Mit dieser Phrase unterbrechen eifrige Zeitgenossen gern ihren Gesprächspartner, um zu signalisieren, dass sie ihn oder sie bereits nach der Hälfte des Satzes oder Gedankenganges vollstens verstanden haben. Eine weitere, annähernd sinngleiche Formulierung lautet daher ganz schlicht „Ich versteh schon.“

Im Grunde ist Verständnis ja das, was wir uns alle wünschen – so verschieden wir doch sein mögen, s.o. Aber wenn mein Gegenüber es mit dem Verstehen derart eilig hat, dass er oder sie mich mit der Verlautbarung, mich bereits verstanden zu haben, mitten im Satz unterbricht, dann ist das einzig rücksichtslos und nicht verständnisvoll. Ja, das soll es geben, dass beispielsweise Paare in einer jahrzehntelangen Beziehung einander blind verstehen (wobei von denen bisweilen auch eher Gegensätzliches berichtet wird). Auch gibt es gewiss besonders empathische Zeitgenossen, die tatsächlich oft erahnen, was das Gegenüber gerade zu sagen im Begriff ist. Und trotzdem – selbst dann sollte es der Anstand gebieten, einander ausreden zu lassen. Den Hinweis, dass der Andere derart gut verstanden wird, kann man auch noch hinterher geben, das muss nicht mitten im Satz sein. Oder hat man’s vielleicht bloß deshalb so eilig, weil man einfach sich selbst als besonders verständnisvollen Zuhörer hervortun möchte? Wie dem auch sei: Fällt man dem Gegenüber ins Wort, baut man weniger ein Gefühl des Verstandenseins auf als vielmehr schlicht Druck.

  • Was Sie sagen, wenn Sie das sagen: „Spar dir den Rest.“
  • Alternativvorschlag (anzuwenden, nachdem Ihr Gegenüber den Gedanken zu Ende gebracht hat): „Ich versteh dich, genau das denke ich auch darüber“.

„Magst du vielleicht mal ...?“ Ein Paradebeispiel aus der Kategorie „hoffnungslos höflich“. Wer auch immer auf die Idee kam, dass eine Bitte besser klingt, wenn man sie als Vorschlag formuliert, hat sich bis dato wohl nur auf den allerobersten Ebenen des Unterbewusstseins aufgehalten. Warum soll ich jemanden fragen, ob er oder sie denn Lust hat, etwas zu tun, wenn ich ihn oder sie doch einfach geradeheraus um etwas bitten möchte? Was ist so unpassend, gar barsch an einer Bitte? Schon im Umgang mit Kindern ist ein Vorschlag, gern noch abgeschwächt als Frage formuliert und mit Konjunktiv versüßt, kein probates Mittel, um eine Bitte zu transportieren. Lebender Beweis: Die Mutter, die neulich im Supermarkt ihrem Sohn vorschlug „Leon, würdest du vielleicht mal die Gurken liegen lassen?“ Da denkt sich der Leon doch sogleich „Danke, dass du fragst, Mama, aber … nee.“ Was zu beweisen war.

Auch im Erwachsenen-, namentlich im Berufsalltag, sind Formulierungen wie „Magst du vielleicht die Präsentation vorbereiten?“ oder „Möchtest du dich mal bis morgen darum kümmern?“ im Grunde nur missglückt formulierte Bitten, elegant geglättet durch konzilianten Konjunktiv und vorgetragen mit dem freundlichen Charakter eines Vorschlags. Aber genau so wenig, wie es in der Erziehung zum Ziel führt, ist das unter Erwachsenen ein sinnvolles Mittel, um Aufgaben zu verteilen. Da ist eine Bitte doch herrlich eindeutig und, im richtigen Ton vorgetragen, allemal besser als die vermeintlich rücksichtsvolle Frage, ob jemand vielleicht Lust haben würden täte.

  • Was Sie sagen, wenn Sie das sagen: „Wenn du magst, kümmere dich darum. Wenn nicht, dann nicht.“
  • Alternativvorschlag: „Stell mir das doch bitte bis heute Abend zusammen. Du bist mir eine große Hilfe damit. Danke.“ Oder „Kannst du mir das bitte bis heute Abend zusammenstellen?“, wenn wirklich die Frage nach den Kapazitäten noch eine Rolle spielt.

„Das hatte ich dir ja schon mal gesagt.“ Beginnen wir diesen Abschnitt mit einer Übersicht über alle Situationen, in denen ein Satz wie dieser sinnvoll ist: keine.

Denken Sie bitte für einen Moment ehrlich darüber nach, was genau Sie mit dieser Bemerkung bezwecken möchten. Wenn es darum geht, dass Sie sich Enttäuschung von der Seele reden wollen, ist dieser Satz tatsächlich ein probates Mittel. Ihnen geht’s danach vielleicht sogar besser. Ihrem Gegenüber eher nicht. Und sie oder er ist höchstwahrscheinlich ab diesem Moment weit weniger aufnahmebereit für alles, was Sie im Anschluss daran noch sagen wollen.

Möchten Sie lieber stattdessen bei Ihrem Gegenüber die Motivation erhöhen, beim nächsten Mal dran zu denken? Dann sagen Sie’s doch genau so! Ein konstruktiver Aufruf, etwas für die Zukunft in Erinnerung zu behalten, ist doch weit motivierender als der Hinweis, dass in der Vergangenheit ein Fehler begangen wurde. Zukunftsgerichteter Appell oder rückwärts gewandte Ermahnung – es liegt auf der Hand, welche dieser Varianten von Ihrem Gegenüber besser aufgenommen wird und sie oder ihn motiviert.

  • Was Sie sagen, wenn Sie das sagen: „Du hast einen Fehler gemacht.“
  • Alternativvorschlag: „Das müssen wir im Hinterkopf haben.“ oder „Das ist von großer Bedeutung, das dürfen wir auf keinen Fall vergessen.“

Verstehen Sie mich richtig: Ganz gewiss kommt irgendwann der Punkt, an dem man es klar und deutlich benennen sollte, ja sogar muss, wenn Kolleginnen und Kollegen ein und dieselbe Sache wieder und wieder vergessen. Und das lässt sich im Übrigen auch auf Fehler jedweder anderen Art erweitern. Aber wenn’s dann wirklich mal drauf ankommt, wird die betreffende Person für derlei Hinweise umso empfänglicher sein, wenn Sie sie nicht zuvor schon durch allzu häufige Ermahnungen bei vergleichsweise kleinen Versäumnissen mürbe gemacht und in Abwehrhaltung gebracht haben.

„Alles gut!“ Zum Abschluss noch mein persönlicher Negativ-Favorit. Seit einigen Jahren greift diese Floskel immer mehr um sich – vermutlich, weil sie so schön pauschal und plakativ ist und vermeintlich immer passt. Dabei ist das genaue Gegenteil der Fall: Sie passt im Grunde nie so recht. Aber zumindest der Spur nach, und das muss dann halt reichen. „Alles gut!“ Damit kriegen Sie vielleicht ein Kleinkind in den ersten Lebensjahren beruhigt – und selbst dann ist es in den meisten Fällen schon gelogen. Wie aber kommt jemand auf die Idee, mich erwachsenen Menschen mit einem „Alles gut!“ abzuspeisen?

Machen wir ein paar Testläufe in verschiedenen Szenarien:

  • Jemand hält mir die Tür auf. Ich: „Danke!“ Er: „Alles gut!“
  • Ich knalle jemandem versehentlich die Tür vor der Nase zu und entschuldige mich. Sie darauf: „Alles gut!“
  • Ich stehe im Stau und gebe Bescheid, dass ich mich verspäte. Hier ist ein „Alles gut!“ von meinem Gegenüber sogar ausdrücklich gelogen. Überhaupt nichts ist gut, wenn es nicht vor und nicht zurück geht, und ich umgeben von Martinshorn und zunehmend aggressivem Hupen auf der hoffnungslos verstopften A100 stehe.
  • Letzter Versuch: Ich erkundige mich ernsthaft besorgt nach dem Zustand meiner Kollegin, die ich gestern Abend (ohne Martinshorn, aber mit sehr aggressivem Hupen) zur Blinddarm-Not-OP in die Charité chauffiert hab. Hier ist ein „Alles gut!“ zu meiner Beruhigung förmlich ein Schlag ins Gesicht, weil es schlicht nicht wahr sein kann.

Sie erkennen das Muster: „Alles gut!“ ist gar nicht gut. Im Gegenteil – dieser Ausspruch ist schon kurz vor „Stell dich nicht so an!“. Oder „Chill mal!“, wie meine Tochter sagen würde. Und das passt auch so gut wie nie.

  • Alternativvorschlag: Sagen Sie irgendwas anderes. Meinetwegen auch gar nichts. Meistens ist selbst schweigen besser als „Alles gut!“

Was ich damit meine

Erinnern wir uns an die Feststellung vom Anfang, der zufolge es oftmals eine Diskrepanz in der Wahrnehmung ein und derselben Aussage gibt, so geht es in allen Beispielen, so unterschiedlich sie auch sein mögen, immer um ein Bewusstsein, ein Gespür dafür, wie eine gesendete Botschaft beim Empfänger ankommt. Um Verlust und Verirrung auf diesem Übertragungsweg möglichst gering zu halten, empfiehlt sich eine Devise: Sagen Sie, was Sie meinen. Verwischen Sie es nicht mit schwammigen Floskeln, beeinträchtigen Sie Ihre Botschaft nicht mit überflüssiger Kritik am Gegenüber, sondern sagen Sie präzise und respektvoll, was Sie meinen.

Mitunter die verhängnisvollsten Sätze im zwischenmenschlichen Dasein (und im Grunde ebenfalls regelrechte „Killerphrasen“) lauten „Aber das ist doch klar.“ oder „Das kann man sich doch denken.“ Um es kurzerhand zu entkräften: Nein! Solche Sätze verlagern die Verantwortung für das Gelingen der Kommunikation vom Sender auf den Empfänger. Das ist genauso einfach wie unfair. Die Wahrheit ist: Sie können mitnichten davon ausgehen, dass irgendetwas für Ihr Gegenüber genau so klar ist wie für Sie selbst. Und erst recht nicht können Sie pauschal voraussetzen, dass andere (!) Menschen sich denken können, was Sie sich beim Reden gedacht haben. Fakt ist vielmehr: Die Verantwortung für Transport und Empfang Ihrer Botschaften liegt vorrangig bei Ihnen. Also machen Sie es Ihrem Gegenüber durch Ton und Timing so einfach wie möglich, Ihre Anliegen anzunehmen und zu verstehen – indem Sie sagen, was Sie meinen.

Zu guter Letzt

Da die Menschen nun einmal verschieden sind, werden Sie womöglich nicht jedes meiner Beispiele genauso auffassen wie ich. Alles gut! Jedenfalls haben Sie bestimmt einen Eindruck von einigen Klippen der alltäglichen Kommunikation bekommen und eine Idee davon, wie diese zu umschiffen sind. Und sollten Sie der Meinung sein, dass hier ein besonders eindrückliches Exemplar zu Unrecht unerwähnt geblieben ist, lade ich Sie ein, mit mir zu kommunizieren.

killerphrasen(at)matthiasweiss.online