An Spielzeugen kann man die Entwicklung der Technik ablesen, sowohl was die Produkte als auch was die Herstellung betrifft. [1]
Spielzeug aus Weißblech
Bis zum Einsatz der Industrialisierung war das Spielzeug für die Kinder aus Holz: Burgen, Puppenküchen, Schaukelpferdchen, Brummkreisel, Schiffe. Sie wurden in geringen Stückzahlen in Handarbeit hergestellt und waren deshalb nicht billig. Blechspielzeug kann als Kollateralprodukt zu der Entwicklung von Konservendosen aufgefasst werden, denn es setzt als Ausgangsmaterial Weißblech voraus, ein dünnes kaltgewalztes Stahlblech, das seit 1810 Verwendung findet. Eine hauchdünne Beschichtung mit Zinn schützt den Stahl dabei vor Korrosion.
Vermutlich die älteste Firmengründung für Blechspielzeug in Deutschland dürfte 1813 Rock & Graner in Biberach an der Riß sein. Von 1860 bis zum 1. Weltkrieg dominierte deutsches Blechspielzeug den Weltmarkt. 1860 gab es allein in Nürnberg als Zentrum für Blechspielzeug 241 Betriebe. Die in industrieller Massenfertigung hergestellten Waren wurden zum größten Teil ins Ausland exportiert.
Gelötet und verzapft
Alle Arbeitsschritte konnten unter einem Dach durchgeführt werden: Aus dem Weißblech wurden Teile ausgestanzt und mit Druckmaschinen geformt, dann verlötet und später mit der Hand lackiert. Danach wurden noch Zubehörteile wie Räder, Lampen oder auch Zierleisten aus speziellen Legierungen angebracht. Dampfmaschinen wurden mit Dampf angetrieben, Fahrzeuge waren mit Uhrwerkantrieb, Friktionsantrieb oder Schwungradantrieb ausgestattet. Ab 1890 ermöglichte der farbige Lackierdruck die knallbunten, leuchtenden Farben, die für Blechspielzeug charakteristisch sind.
Der 1. Weltkrieg führte zu erheblichen Vereinfachungen. So wurden die Teile nicht mehr fest verlötet, sondern nur mit Blechzungen verzapft.
Technik im Kleinen
Die Produkte richteten sich nach dem Stand der Technik. Nach den Dampfmaschinen hatten vor allem Eisenbahnen eine herausragende Stellung. Der erste Zug fuhr 1825, die Firma Märklin wurde 1859 gegründet. Nach deren Entwicklung kamen Motorräder und Autos in Mode, bevorzugt als Feuerwehr und Polizei. Die Militarisierung vor dem 2. Weltkrieg schlug sich in Militärfahrzeugen nieder, besonders Panzermodelle standen unter vielen Weihnachtsbäumen.
Der Niedergang einer Industrie
Während des 2. Weltkriegs wurde die Produktion von Spielzeug weitgehend eingestellt, die Firmen mussten auf Rüstungsproduktion umstellen, zum Beispiel Gewehrhülsen stanzen. Wenige das Regime stützende Spielzeuge wurden noch hergestellt (Abb. 01).

Abb. 01 Blechmodell des "Kraft durch Freude"-Volkswagens zum Aufziehen, hergestellt 1940 vom Nürnberger Spielzeughersteller Georg Fischer. Quelle Museum der Arbeit, Hamburg, Wikimedia Commons
Mit Beginn der 60er-Jahre beginnt der Niedergang der Blechspielzeugindustrie. Die Gründe sind vielfältig: Das Aufkommen des Spritzgussverfahrens (zum Beispiel Matchbox-Autos) sowie ab Mitte der 50er-Jahre Plastik als Material. Es gab strengere Sicherheitsauflagen für Kinderspielzeug (scharfe Kanten). Ganz banal trugen auch Teppichböden und glatte Bodenflächen dazu bei, auf denen Modelle mit Friktionsantrieb oder Uhrwerkantrieb nicht mehr vorankommen. Heute ist historisches Blechspielzeug ein Sammelobjekt, für das hohe Preise bezahlt werden. Modernes Blechspielzeug kommt inzwischen vor allem aus Asien (vor allem China, Indien, Korea). Das Angebot ist wieder sehr breit gefächert, wie die Website des „Internationalen Handels mit Blechspielzeug“ zeigt. [2] Neu sind vor allem Roboter aus Blech, aber auch watschelnde Enten und pickende Hühner als Relikte früherer Zeiten sind immer noch im Angebot.
Link und Literatur zum Artikel
[1] Wagner, Botho G. (1994): Blechspielzeug. Vom Kindheitstraum zum begehrten Sammlerobjekt. Wilhelm Heyne Verlag
[2] Internationaler Großhandel für Blechspielzeug: https://blechfabrik.de/

