Kleine Endung, große Bedeutung

Text: Markus Nickl

Nicht nur Fachleute aus der Terminologie kennen das Synonym oder das Homonym. Und wer eine Taxonomie aufstellt, bekommt es mit Hyperonym oder Hyponym zu tun. Woher stammen Wörter mit der Silbe „nym“ und was gilt es, über sie zu wissen?

Inhaltsübersicht

Lesedauer: 03:07 Minuten

Wer sich mit sprachwissenschaftlichen Texten beschäftigt, stellt schnell fest, dass dort sehr viele Fachbegriffe auf die Silbe „-nym“ enden. Manche dieser Begriffe sind uns recht vertraut, zum Beispiel das Synonym. Und dann gibt es wieder Begriffe wie Dromonym, die kaum jemand kennt. Wir wollen deshalb einmal ein wenig Ordnung in das Wirrwarr rund um diese Silbe bringen.

Auf der Spur

Woher kommen diese ganzen Bezeichnungen, die auf -nym enden? Haben sie alle miteinander zu tun? Die Antwort darauf ist schnell gegeben. Der Ursprung ist (alt-)griechisch und bedeutet „Name“. Es geht auf eine äolisch-dorische Nebenform „ónymos“ zum attischen „ónomos“ zurück, das wir wiederum zum Beispiel aus dem Fachwort Onomastik (Namensforschung) kennen.

Es ist also nicht verwunderlich, wenn es in der Sprachwissenschaft so viele Fachbegriffe gibt, die auf -nym enden. Die Beschäftigung mit Namen und im weiteren Sinn mit Wörtern allgemein ist ja das Kerngebiet der linguistischen Forschung. Allerdings ist dieses Feld dadurch auch ein weites und nicht alle Fachwörter, die mit -nym enden, haben direkt miteinander zu tun.

Wörter für Wörter

Im Wesentlichen bezeichnen Fachwörter, die auf -nym enden, zwei Kategorien von Wörtern: zum einen Wörter, die einen bestimmten Typ von Wörtern bezeichnen und zum anderen Fachwörter, die bestimmte Bedeutungsrelationen zwischen Wörtern beschreiben.

Wörter für Wörter sind das Gebiet der Namensforschung oder Onomastik. Sie untersucht Eigennamen im weitesten Sinne. Damit sind Begriffe gemeint, die Menschen, Tiere oder Orte (im weitesten Sinn) individuell bezeichnen. Entsprechend werden diese Begriffe als Anthroponyme, Zoonyme und Toponyme genannt. Daneben gibt es eine ganze Reihe weitere dazugehörige Unterbegriffe (zum Beispiel das oben genannte Dromonym). Für die Technische Redaktion spielen diese Fachbegriffe aber kaum eine Rolle.

Wörter für Bedeutungen

Ganz anders sieht es mit den Fachbegriffen für Bedeutungsrelationen aus. Diese spielen eine wichtige Rolle für die Modellierung von Begriffssystemen und für die Klassifikation von semantischen Beziehungen. In der Technischen Redaktion beschreiben sie zum Beispiel die Metadaten in einem Content-Management-System oder die Beziehungen der verschiedenen Benennungen in einem Terminologiebestand.

Für Taxonomien ist die Hierarchie der Begriffe entscheidend. Aus semantischer Sicht bedeutet das, dass ein Begriff sich zu einem anderen Begriff entweder als Oberbegriff (Hyperonym) verhält oder als Unterbegriff (Hyponym). Die beiden Wörter ähneln sich optisch leider sehr stark, und deshalb besteht die Gefahr, dass man sie verwechselt. Am leichtesten kann man sie auseinanderhalten, wenn man sich vor Augen führt, dass Hyperonym – also der Oberbegriff – das Wort „hyper“ enthält, was ja auch in der Alltagssprache gebraucht wird.

Die andere wichtige Bedeutungsrelation für Klassifikationen ist die Frage, ob die bezeichneten Gegenstände gleich oder gegensätzlich sind, das heißt, ob sie Synonyme oder Antonyme sind. Gerade bei Synonymen gibt es immer wieder Diskussionen beispielsweise in Terminologiezirkeln. Denn viele Menschen denken, dass es komplett bedeutungsgleiche Wörter gibt und sich dadurch ein Wort in jedem Kontext durch sein Synonym ersetzen lässt. Tatsächlich ist aber kein Wort komplett bedeutungsgleich zu seinem jeweiligen Pendant. Für die Terminologiearbeit ist es deshalb wichtig zu ermitteln, wo diese feinen Unterschiede liegen und ob sie im Kontext der Unternehmenskommunikation relevant werden.

Neben den Synonymen gibt es auch noch Homonyme. Diese sind im Prinzip das genaue Gegenteil eines Synonyms: Wörter, die gleich aussehen, aber verschiedene Bedeutungen haben. Neben Wörtern, die identische Bezeichnungen haben (Bauer = Landwirt vs. Bauer = Vogelkäfig) existieren auch Unterkategorien mit Wörtern, die sich nur zum Teil ähneln. Homographen werden gleich geschrieben, aber unterschiedlich gesprochen (modern = aktuell vs. modern = verrotten). Bei Homophonen ist die Aussprache gleich, aber die Schreibung unterscheidet sich (Lärche = Baum vs. Lerche = Vogel).

Zu guter Letzt

So viel aus der spannenden (oder verwirrenden) Welt der Wörter mit der Silbe „nyme“. Als Technischer Redakteur bzw. Technische Redakteurin werden Sie diese Bezeichnungen wohl nur selten brauchen; die Inhalte, die sie bezeichnen, sind aber durchaus Teil des alltäglichen Geschäfts in der Technischen Redaktion. Deshalb sollte man die jeweiligen Fachbegriffe kennen, um im Zweifelsfall auch zielgerichtet in der wissenschaftlichen Literatur recherchieren zu können.

Und falls Sie bis hierher durchgehalten haben, dann haben Sie sich vermutlich die ganze Zeit gefragt, was die Dromonyme aus der Einleitung denn nun eigentlich sind. Hier also die Auflösung: Dromonym ist ein Synonym für Straßenname und damit ein Hyponym zu Toponym.  

literatur zum artikel

[1] Nickl, Markus (2025): Weniger ist nicht immer verständlicher. In: technische kommunikation, H. 2, S. 28–29.

Ein Mädchen mit Mütze blickt durch eine Lupe.